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Sony WF-C710N Test: Sechs Wochen Pendel-, Homeoffice- und Café-Alltag mit den neuen ANC-Earbuds

Marco, Redaktion bluessource.de

Marco · Bluessource.de Redaktion
HiFi und Audio seit 2010. Reference-Setup: Hifiman Arya Organic, Topping A70 Pro, Rega Planar 3.

Sechs Wochen mit den Sony WF-C710N in Glass Blue, im täglichen Pendel- und Homeoffice-Einsatz. Die Leitfrage war simpel: lohnt sich der Sprung vom bewährten WF-C700N, oder zahlt man hauptsächlich für neues Gehäuse und Marketing-Refresh?

Mein Reference-Setup zu Hause läuft über Hifiman Arya Organic und Topping A70 Pro. Earbuds in der 100-Euro-Klasse spielen erkennbar in einer anderen Liga, das ist klar. Trotzdem interessiert mich, was Sony hier konkret für sein Geld liefert.

Die Testumgebung: morgendliche S-Bahn mit Türen-Pieps und Mitfahrer-Telefonaten, Homeoffice-Calls über zwei Geräte parallel, Café-Sessions, Spaziergänge im Nieselregen. Unten die Stellen, an denen Sony liefert, und die, an denen die Konkurrenz schon weiter ist.

8
/ 10
Mein Test-Urteil
Bestes ANC der Preisklasse, langer Akku, stabiles Multipoint. Abstriche bei Codec-Vielfalt und Wireless Charging.
★★★★★★★★☆☆

Mein erster Eindruck nach dem Auspacken

Die Verpackung kommt ohne Plastikfolie aus. In der Preisklasse selten, mir aber sofort positiv aufgefallen. Das Ladecase ist spürbar dicker als beim Vorgänger. In der Hosentasche merkt man das, in der Jackentasche nicht. Glass Blue sieht im Foto besser aus als in der Realität: der durchsichtige Kunststoff fängt Fingerabdrücke schon nach zehn Minuten ein.

Im Karton liegen die beiden Hörer, ein USB-A-zu-USB-C-Kabel und vier Eartip-Größen (SS, S, M, L). Die mittlere Variante fällt recht groß aus, bei schmalen Gehörgängen lohnt der Wechsel auf S. Die Hörer wiegen 5,4 g pro Seite. Bei mir sitzen sie nach kurzem Drehen sicher und ohne Druckgefühl. Auch nach drei Stunden Homeoffice am Stück merke ich sie kaum.

Sony WF-C710N Glass Blue: geöffnetes Ladecase mit beiden Hörern, Tageslicht

Setup und Sony Sound Connect App

Pairing lief ohne Drama. Case auf, Hörer angezeigt, einmal antippen, fertig. Mit dem iPhone klappte das beim ersten Versuch. Beim Android-Zweitgerät musste ich einmal den Pairing-Knopf am Case länger drücken. Multipoint funktioniert: ich kann von einem Spotify-Stream auf dem Laptop direkt in einen WhatsApp-Anruf am Handy wechseln, ohne irgendwo umzustöpseln.

Die App heißt seit dem Modellwechsel Sony Sound Connect (vorher Headphones Connect) und bietet alles Erwartbare: 5-Band-EQ mit „Clear Bass“-Slider, neun Klangpresets, Adaptive Sound Control für ortsabhängige Modi, Speak-to-Chat, DSEE-Upsampling und einen Find-my-Equalizer-Wizard. Den Wizard habe ich zweimal durchlaufen: er fragt zwei Klangbeispiele ab und liefert daraus ein Profil. Beim ersten Durchgang interessant, beim zweiten irrelevant. Der manuelle EQ hilft praktisch mehr: bei elektronischer Musik habe ich 250 Hz um 2 dB abgesenkt, weil sonst der Bass über die Mitten hinwegrollt.

Die Touch-Steuerung statt Klick-Buttons sehe ich kritisch. Beim Vorgänger gab es einen klaren Druckpunkt, hier ertappt man sich beim Doppeltippen, wenn man nur die Position der Hörer korrigieren will. Lautstärke regelt sich durch wiederholtes Tappen, eleganter als bei Konkurrenten ist das nicht. Pro Seite lässt sich allerdings nur eine Funktionsgruppe zuweisen (Wiedergabe links, ANC rechts, oder umgekehrt).

Sony WF-C710N am Pendel-Setup: Hörer mit Smartphone und Sound Connect App im Vordergrund

Die WF-C710N im Klangalltag

Sony tunt die WF-C710N ab Werk warm und basslastig. Bei Causa Suis „Live in Copenhagen“ kommt die Bassdrum mit Druck, die psychedelische Gitarrenfläche darüber wirkt aber zurückgedrängt. Bei Thelonious Monks „Bemsha Swing“ stimmt die Tonalität von Klavier und Stand-Bass, das Becken-Anschlagsgeräusch hätte ich mir luftiger gewünscht. Bei Iotunns „Access All Worlds“ und ähnlichem Material aus Hip-Hop, Rock und Metal übertönt der Bass den Mix öfter, als mir lieb ist.

Mit dem manuellen EQ (250 Hz minus 2 dB, 4 kHz plus 1 dB) wird der Klang spürbar ausgewogener. Nick Drakes „Pink Moon“ trennt sich dann sauber in Stimme und Akustikgitarre, die Doublebass-Gitarre bei Iotunn bekommt wieder Definition zurück. Ohne EQ ist das Klangbild gefällig, aber etwas geschlossen. Mehrere Tester beschreiben das ähnlich.

Side note für AudiophileIm Vergleich zum stationären Hifiman-Arya-Organic-Setup spielen die WF-C710N erwartungsgemäß in einer anderen Liga. Bühne, Auflösung und Mikrodynamik sind nicht der Maßstab, an dem ich diese Klasse messe. Worauf ich bei portablen Earbuds achte: tonale Balance und Hörermüdung über mehrere Stunden. Die WF-C710N werden mit EQ-Eingriff über eine 90-Minuten-Bahnfahrt nicht anstrengend, und das ist im Pendel-Kontext der eigentliche Maßstab.

Codec-seitig nur SBC und AAC. Kein LDAC, kein aptX, kein LE Audio mit LC3. Auf dem iPhone irrelevant. Auf Android ein echter Verzicht gegenüber Buds in derselben Preisklasse von Nothing oder Soundcore.

Wie gut ist das Noise Cancelling der WF-C710N?

Hier liegt der eigentliche Mehrwert. Sony hat pro Hörer ein zusätzliches Mikrofon spendiert (Dual Noise Sensor), und das merkt man. Im 7:42-Regional-Express verschwinden Klimaanlagen-Brummen und Wagon-Rollgeräusch fast vollständig. Stimmen werden in dieser Preisklasse von niemandem komplett ausgelöscht, aber dezent abgesenkt, sodass auch leise Musik nicht mehr überlagert wird.

Im Café reduziert das ANC die Espressomaschine auf gedämpftes Hintergrundzischen, Tastatur-Klackern am Nebentisch fällt komplett raus. Eine Auffälligkeit nach mehreren Sessions: die Hörer geben manchmal ein dunkles, spürbares Rumpeln ab, wenn ANC aktiv ist, als würde im Inneren etwas pulsieren. Bei mir nicht in jeder Session, aber häufig genug, um es zu erwähnen. Beim Kopfdrehen oder schnellen Gehen tritt es kurz auf.

Der Transparenzmodus ist solide. Eine Bestellung im Café verstehe ich auch bei laufender Musik, ohne die Hörer rauszunehmen. Etwas Hintergrundrauschen kommt mit. Normal für die Preisklasse.

Sony WF-C710N im Test-Setup: Hörer auf dem Schreibtisch neben Notizblock und Topping A70 Pro Reference-DAC

Konnektivität und Akku der WF-C710N

Bluetooth 5.3 mit Multipoint zu zwei Geräten gleichzeitig. Funktioniert über sechs Wochen ohne einen einzigen Aussetzer. Die Reichweite reicht vom Schreibtisch in die Küche, ohne dass die Verbindung zuckt. Sony gibt 8,5 Stunden bei aktivem ANC an, mit Case 30 Stunden. SoundGuys hat im Labor 9 Stunden 25 Minuten gemessen, also über Sonys Spec. Bei mir lag die Realität näher an den versprochenen 8,5 Stunden, bei höheren Lautstärken auch knapp darunter.

Schnellladen klappt: 5 Minuten im Case bringen rund 60 Minuten Wiedergabe. Reicht für den vergessenen Morgen vor dem Bahnsteig. Qi-Wireless-Charging fehlt. Bei einem Earbud-Set für 80 bis 120 Euro ist das 2026 keine Selbstverständlichkeit, aber manche Konkurrenten bieten es eben mit.

WF-C710N gegen WF-C700N: Was hat sich verändert?

Der Vorgänger WF-C700N ist seit 2023 ein Dauerbrenner und wird parallel weiterhin verkauft, oft deutlich günstiger. Ein direkter Vergleich lohnt sich also.

Merkmal WF-C700N (2023) WF-C710N (2025)
Bluetooth 5.2 5.3
ANC-Mikrofone 1 pro Hörer 2 pro Hörer
Bedienung Klick-Buttons Touch
Akku Hörer (ANC) 7,5 h 8,5 h
Akku gesamt mit Case 15 h 30 h
Codecs SBC, AAC SBC, AAC
Wireless Charging nein nein
Gewicht (Hörer) 4,6 g 5,4 g
UVP zum Launch 99,99 € 119,99 €

Die wichtigsten Veränderungen: deutlich besseres ANC, spürbar längere Case-Laufzeit, Touch statt Klick. Das ANC ist für mich der Hauptgrund, der den Aufpreis rechtfertigt. Alles andere sind Detailverbesserungen, über die man bei rund 20 Euro Aufpreis vernünftig diskutieren kann.

★ Ehrliches Fazit nach sechs Wochen

Wer in der Preisklasse bis 100 Euro das beste alltagstaugliche ANC sucht und kein LDAC braucht, fährt mit den WF-C710N gut. Wer Wert auf hochauflösende Codecs oder Wireless Charging legt, sollte Soundcore Liberty 4 NC oder Nothing Ear (a) anschauen.

Vor- und Nachteile auf einen Blick

+ Pro

  • Bestes ANC seiner Preisklasse, deutliche Steigerung gegenüber WF-C700N
  • Stabiles Multipoint zwischen zwei Geräten
  • Akkulaufzeit alltagstauglich (8,5 h pro Ladung, 30 h mit Case)
  • Komfortable, leichte Passform für lange Tragezeit
  • Sound Connect App mit feinem 5-Band-EQ und sinnvollen Presets
  • Sprachqualität bei Anrufen klar verbessert

Contra

  • Nur SBC und AAC, kein LDAC oder LE Audio
  • Gelegentliches dunkles Pulsieren bei aktivem ANC
  • Kein Wireless Charging
  • Touch-Steuerung weniger präzise als die alten Klick-Buttons
  • Glass-Blue-Variante zieht Fingerabdrücke an
  • Mittlere Eartip-Größe fällt recht groß aus

Mein Fazit zum Sony WF-C710N

Nach sechs Wochen empfehle ich die Sony WF-C710N jedem, der ein zuverlässiges Pendel- und Alltags-Setup im Bereich 80 bis 120 Euro sucht und Wert auf Geräuschunterdrückung legt. Sony liefert hier das beste ANC der Klasse, in einer kleinen, leichten Form mit langem Akku. Klanglich ist das Set ab Werk basslastig, lässt sich aber per EQ in Richtung neutralerem Profil ziehen. Wer auf Android hochauflösende Codecs erwartet, wird vom Codec-Verzicht enttäuscht. Das ist der größte Kritikpunkt. Mein Urteil: 8 von 10 Punkten, klare Empfehlung mit den genannten Einschränkungen.

Häufige Fragen zum Sony WF-C710N

Lohnt sich der Aufpreis vom WF-C700N zum WF-C710N?

Der Aufpreis lohnt sich vor allem für die spürbar bessere Geräuschunterdrückung und die längere Case-Laufzeit. Wer mit dem ANC des WF-C700N zufrieden ist und einen Klick-Button bevorzugt, kann den Vorgänger zum reduzierten Preis bedenkenlos kaufen.

Funktionieren die WF-C710N mit iPhone und Android gleich gut?

Auf dem iPhone bekommt man dank AAC-Unterstützung die volle Klangqualität, die das Set bietet. Auf Android-Geräten fehlt LDAC oder ein anderer hochauflösender Codec, die Ausgabe läuft über SBC oder AAC. In der Praxis hört man den Unterschied bei Spotify-Streaming kaum, bei lossless-fähigen Diensten (Apple Music, Tidal, Qobuz) ist die Begrenzung deutlicher spürbar.

Sind die WF-C710N für Sport und Joggen geeignet?

Mit IPX4 sind die Hörer schweiß- und spritzwassergeschützt. Fürs Lauftraining bei trockenem oder leicht feuchtem Wetter reicht das. Beim Schwimmen oder unter der Dusche haben die WF-C710N nichts verloren. Für intensive Sport-Sessions empfehle ich Modelle mit IPX5 oder höher und besserem Halt.

Wie lange dauert eine vollständige Ladung?

Eine komplette Ladung der Hörer dauert etwa 90 Minuten im Case. Schnellladen funktioniert: Fünf Minuten im Case bringen rund 60 Minuten Wiedergabe. Das Case selbst lädt über USB-C, kabelloses Laden ist nicht vorgesehen.

Wie gut ist die Sprachqualität bei Telefonaten?

Sony hat die Mikrofon-Anordnung überarbeitet und eine KI-basierte Sprachaufnahme-Technologie integriert. In ruhigen Räumen klingt die Stimme klar und natürlich. In lauten Umgebungen (Bahn, Straße) wird Hintergrundgeräusch wirksam abgesenkt, die eigene Stimme kann dabei etwas gedämpft wirken. Das ist Standard in dieser Preisklasse.

Welche App brauche ich für den vollen Funktionsumfang?

Die kostenlose Sony Sound Connect App (vorher Headphones Connect) für iOS und Android. Ohne App hat man Wiedergabe, ANC und Standardklang. Alle Anpassungen wie EQ, Adaptive Sound Control, Touch-Belegung und Speak-to-Chat laufen über die App.

Gibt es kabelloses Laden?

Nein. Der WF-C710N lädt ausschließlich über USB-C. Wer Qi-Charging braucht, muss eine Klasse höher zum Sony LinkBuds Fit oder WF-1000XM5 greifen.

Quellen

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