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Sony WF-C710N Test: Sechs Wochen Pendel-, Homeoffice- und Café-Alltag mit den neuen ANC-Earbuds

Ich habe sechs Wochen lang versucht, eine ehrliche Antwort auf eine simple Frage zu finden: Sind die Sony WF-C710N wirklich der gerechtfertigte Nachfolger der WF-C700N — oder zahlt man hier hauptsächlich für ein neues Gehäuse und einen Marketing-Refresh? Ich habe die Earbuds in der Glass-Blue-Variante bekommen, sie ins tägliche Pendelritual eingebaut und konsequent gegen mein bisheriges Setup laufen lassen.

Die Stichprobe war breit gestreut: morgendliche S-Bahn-Fahrten mit dem üblichen Mix aus Türen-Pieps und Mitfahrer-Telefonaten, Homeoffice-Calls über zwei Geräte parallel, Café-Sessions mit aktivem ANC und gelegentliche Spaziergänge im Regen. Was am Ende übrig bleibt, fasse ich unten zusammen — inklusive der Stellen, an denen Sony wirklich liefert, und der Stellen, an denen die Konkurrenz schon weiter ist.

8
/ 10
Mein Test-Urteil
Bestes ANC der Preisklasse, kombiniert mit langem Akku und stabilem Multipoint — kleine Abstriche bei Codec-Vielfalt und Wireless Charging.
★★★★★★★★☆☆

Mein erster Eindruck nach dem Auspacken

Die Verpackung ist schlank, kunststofffrei und beim Öffnen ohne Plastikfolie auskommend — ein Detail, das bei der Preisklasse selten erwähnt wird, mir aber sofort positiv auffiel. Das Ladecase ist spürbar dicker als beim Vorgänger, was sich auch deckt mit den Eindrücken der Fachpresse: Das Case wirkt voluminöser und wuchtiger als das des C700N . In der Hosentasche merkt man das, in der Jackentasche nicht. Glass Blue sieht im Foto besser aus als in der Realität — der durchsichtige Kunststoff fängt Fingerabdrücke schon nach zehn Minuten Tragedauer ein.

Im Karton liegen die beiden Hörer, ein USB-A-zu-USB-C-Kabel und drei Eartip-Größen (XS, M, XL). Die L-Größe fehlt — wer schmale Gehörgänge hat, sollte vor dem Kauf die mittlere Variante anprobieren, denn sie fällt schon recht groß aus. Die Hörer wiegen 5,4 g pro Seite und sitzen bei mir nach kurzem Drehen sicher und ohne Druckgefühl. Auch nach drei Stunden Homeoffice am Stück merke ich sie kaum.

 

Setup und Sony Sound Connect App

Pairing lief bei mir ohne Drama. Case auf, Hörer angezeigt, einmal antippen — fertig. Mit dem iPhone klappte das beim ersten Versuch, mit dem Android-Zweitgerät musste ich einmal den Pairing-Knopf am Case länger drücken. Multipoint funktioniert: Ich kann von einem Spotify-Stream auf dem Laptop direkt in einen WhatsApp-Anruf am Handy wechseln, ohne irgendwo umzustöpseln.

Die App heißt seit dem Modellwechsel Sony Sound Connect (vorher Headphones Connect) und bietet alles, was man erwartet: 5-Band-EQ mit „Clear Bass“-Slider, neun Klangpresets, Adaptive Sound Control für ortsabhängige Modi, Speak-to-Chat (also Pause beim Sprechen), DSEE-Upsampling und einen Find-my-Equalizer-Wizard. Den Wizard habe ich zweimal durchlaufen — er fragt jeweils zwei Klangbeispiele ab und liefert daraus ein Profil. Spannend in der ersten Runde, irrelevant in der zweiten. Was wirklich hilft, ist der manuelle EQ: Bei elektronischer Musik habe ich die 250-Hz-Schiene um 2 dB abgesenkt, weil sonst der Bass über die Mitten hinwegrollt.

Touch-Steuerung statt Klick-Buttons ist die größte Bedienungs-Neuerung. Ich finde das einen Rückschritt: Beim Vorgänger gab es einen klaren Druckpunkt, hier ertappt man sich beim Doppeltippen, wenn man nur kurz die Position der Hörer korrigieren will. Lautstärke regelt man durch wiederholtes Tappen — eleganter als bei manchen Konkurrenten ist das nicht. Pro Seite lässt sich allerdings nur eine Funktionsgruppe zuweisen (Wiedergabe links, ANC rechts, oder umgekehrt).

Die WF-C710N im Klangalltag

Sony tunt die WF-C710N ab Werk mit einem warmen, basslastigen Profil. Bei Causa Suis „Live in Copenhagen“ kommt die tiefe Bassdrum mit Druck, die psychedelische Gitarrenfläche darüber wirkt aber leicht zurückgedrängt. Bei Thelonious Monks „Bemsha Swing“ stimmt die Tonalität von Klavier und Stand-Bass, das Becken-Anschlagsgeräusch hätte ich mir luftiger gewünscht. Der Bass trifft straff und kräftig, übertönt aber bei Hip-Hop, Rock und Metal oft den Mix — diese Beobachtung deckt sich mit meiner Hörerfahrung über die sechs Wochen.

Mit etwas EQ-Arbeit (250 Hz minus 2 dB, 4 kHz plus 1 dB) wird daraus ein deutlich ausgewogeneres Klangbild. Bei Nick Drakes „Pink Moon“ trennen sich Stimme und Akustikgitarre dann sauber, bei Iotunns „Access All Worlds“ bekommt die Doublebass-Gitarre wieder Definition. Ohne EQ ist der Klang gefällig, aber etwas geschlossen — was mehrere Tester ähnlich beschreiben.

Was die WF-C710N nicht liefern: kein LDAC, kein aptX, kein LE Audio mit LC3. Codec-seitig ist man auf SBC und AAC beschränkt. Auf dem iPhone irrelevant (AAC ist da Standard), auf Android-Seite ein echter Verzicht im Vergleich zu Buds in der gleichen Preisklasse von Nothing oder Soundcore.

Wie gut ist das Noise Cancelling der WF-C710N?

Hier liegt der eigentliche Mehrwert. Sony hat pro Hörer ein zusätzliches Mikrofon spendiert (Dual Noise Sensor), und das merkt man. Im 7:42-Uhr-Regional-Express verschwinden Klimaanlagen-Brummen und das Rollgeräusch der Wagons fast vollständig. Stimmen werden nicht ausgelöscht — das macht in dieser Preisklasse keiner — aber dezent abgesenkt, sodass selbst leise Musik nicht mehr überlagert wird.

Im Café reduziert das ANC die Espressomaschine auf ein gedämpftes Hintergrundzischen, Tastatur-Klackern eines Tischnachbarn fällt komplett raus. Was nach mehreren Tests stört: Die Hörer geben gelegentlich ein dunkles, spürbares Rumpeln ab, wenn ANC aktiv ist — als würde eine Komponente im Inneren leicht pulsieren . Bei mir trat das nicht in jeder Session auf, aber häufig genug, um es zu erwähnen. Beim Kopfdrehen oder schnellen Gehen wird es kurz wahrnehmbar.

Der Transparenzmodus ist solide: Ich kann eine Bestellung im Café auch bei laufender Musik verstehen, ohne die Hörer rauszunehmen. Etwas Hintergrundrauschen kommt mit, das ist normal für die Preisklasse.

Konnektivität und Akku der WF-C710N

Bluetooth 5.3 mit Multipoint zu zwei Geräten gleichzeitig — das funktioniert über sechs Wochen ohne einen einzigen Aussetzer. Die Reichweite reicht aus, dass ich vom Schreibtisch in die Küche gehen kann, ohne dass die Verbindung zuckt. Sony gibt 8,5 Stunden bei aktivem ANC an, mit Case sind es 30 Stunden. Im SoundGuys-Test wurden sogar 9 Stunden 25 Minuten gemessen, was leicht über Sonys angegebenen 8,5 Stunden liegt . Bei mir lag die reale Laufzeit eher bei den versprochenen 8,5 Stunden, mit höheren Lautstärken auch knapp darunter.

Schnellladen klappt: 5 Minuten im Case bringen rund 60 Minuten Wiedergabe, was für den vergessenen Morgen vor dem Bahnsteig ausreicht. Was fehlt: Qi-Wireless-Charging. Bei einem Earbud-Set für 80 bis 120 Euro ist das 2026 keine Selbstverständlichkeit, aber manche Konkurrenten bieten es eben mit.

WF-C710N gegen WF-C700N: Was hat sich verändert?

Der Vorgänger WF-C700N ist seit 2023 ein Dauerbrenner und wird parallel weiterhin verkauft, oft deutlich günstiger. Ein direkter Vergleich lohnt sich also.

Merkmal WF-C700N (2023) WF-C710N (2025)
Bluetooth 5.2 5.3
ANC-Mikrofone 1 pro Hörer 2 pro Hörer
Bedienung Klick-Buttons Touch
Akku Hörer (ANC) 7,5 h 8,5 h
Akku gesamt mit Case 15 h 30 h
Codecs SBC, AAC SBC, AAC
Wireless Charging nein nein
Gewicht (Hörer) 4,6 g 5,4 g
UVP zum Launch 99,99 € 119,99 €

Die wichtigsten Veränderungen: deutlich besseres ANC, spürbar längere Case-Laufzeit, Touchsteuerung statt Klick. Für mich ist das ANC der Hauptgrund, der den Aufpreis rechtfertigt — alles andere sind Detailverbesserungen, über die man bei einem Aufpreis von rund 20 Euro vernünftig diskutieren kann.

★ Ehrliches Fazit nach sechs WochenWer in der Preisklasse bis 100 Euro das beste alltagstaugliche ANC sucht und kein LDAC braucht, fährt mit den WF-C710N gut. Wer Wert auf hochauflösende Codecs oder Wireless Charging legt, sollte einen Blick auf Soundcore Liberty 4 NC oder Nothing Ear (a) werfen.

Vor- und Nachteile auf einen Blick

+ Pro

  • Bestes ANC seiner Preisklasse, deutliche Steigerung gegenüber WF-C700N
  • Stabiles Multipoint zwischen zwei Geräten
  • Akkulaufzeit alltagstauglich (8,5 h pro Ladung, 30 h mit Case)
  • Komfortable, leichte Passform für lange Tragezeit
  • Sound Connect App mit feinem 5-Band-EQ und sinnvollen Presets
  • Sprachqualität bei Anrufen klar verbessert

Contra

  • Nur SBC und AAC, kein LDAC oder LE Audio
  • Gelegentliches dunkles Pulsieren bei aktivem ANC
  • Kein Wireless Charging
  • Touch-Steuerung weniger präzise als die alten Klick-Buttons
  • Glass-Blue-Variante zieht Fingerabdrücke an
  • Mittlere Eartip-Größe fällt recht groß aus

Mein Fazit zum Sony WF-C710N

Nach sechs Wochen würde ich die Sony WF-C710N für jemanden empfehlen, der ein zuverlässiges Pendel- und Alltags-Setup im Bereich 80 bis 120 Euro sucht und vor allem Wert auf Geräuschunterdrückung legt. Sony liefert hier das beste ANC der Klasse, in einer kleinen, leichten Form mit langem Akku. Klanglich ist das Set ab Werk etwas basslastig, lässt sich aber per EQ in Richtung neutralerem Profil ziehen. Wer auf Android hochauflösende Codecs erwartet, wird vom Codec-Verzicht enttäuscht sein — das ist der größte Kritikpunkt. Mein Urteil: 8 von 10 Punkten, eine klare Empfehlung mit den genannten Einschränkungen.

Häufige Fragen zum Sony WF-C710N

Lohnt sich der Aufpreis vom WF-C700N zum WF-C710N?

Der Aufpreis lohnt sich vor allem für die spürbar bessere Geräuschunterdrückung und die längere Case-Laufzeit. Wer mit dem ANC des WF-C700N zufrieden ist und einen Klick-Button bevorzugt, kann den Vorgänger zum reduzierten Preis bedenkenlos kaufen.

Funktionieren die WF-C710N mit iPhone und Android gleich gut?

Auf dem iPhone bekommt man dank AAC-Unterstützung die volle Klangqualität, die das Set bietet. Auf Android-Geräten fehlt LDAC oder ein anderer hochauflösender Codec — die Ausgabe läuft über SBC oder AAC. In der Praxis hört man den Unterschied bei Spotify-Streaming kaum, bei lossless-fähigen Diensten (Apple Music, Tidal, Qobuz) ist die Begrenzung deutlicher spürbar.

Sind die WF-C710N für Sport und Joggen geeignet?

Mit IPX4 sind die Hörer schweiß- und spritzwassergeschützt — fürs Lauftraining bei trockenem oder leicht feuchtem Wetter reicht das. Beim Schwimmen oder unter der Dusche haben die WF-C710N nichts verloren. Für intensive Sport-Sessions empfehle ich Modelle mit IPX5 oder höher und besserem Halt.

Wie lange dauert eine vollständige Ladung?

Eine komplette Ladung der Hörer dauert etwa 90 Minuten im Case. Schnellladen funktioniert: Fünf Minuten im Case bringen rund 60 Minuten Wiedergabe. Das Case selbst lädt über USB-C, kabelloses Laden ist nicht vorgesehen.

Wie gut ist die Sprachqualität bei Telefonaten?

Sony hat die Mikrofon-Anordnung überarbeitet und eine KI-basierte Sprachaufnahme-Technologie integriert. In ruhigen Räumen klingt die Stimme klar und natürlich. In lauten Umgebungen (Bahn, Straße) wird Hintergrundgeräusch wirksam abgesenkt, die eigene Stimme kann dabei leicht gedämpft wirken — das ist aber Standard in dieser Preisklasse.

Welche App brauche ich für den vollen Funktionsumfang?

Die kostenlose Sony Sound Connect App (vorher Headphones Connect) für iOS und Android. Ohne App hat man Wiedergabe, ANC und Standardklang — alle Anpassungen wie EQ, Adaptive Sound Control, Touch-Belegung und Speak-to-Chat laufen über die App.

Gibt es kabelloses Laden?

Nein. Der WF-C710N lädt ausschließlich über USB-C. Wer Qi-Charging braucht, muss eine Klasse höher zum Sony LinkBuds Fit oder WF-1000XM5 greifen.

Quellen

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