Es gibt eine
Menge akribisch betriebener Studien über diverse
Bluestexte wie z.B. „Blues Fell This Morning“
von Paul Oliver, aber so weit will ich dann doch nicht
gehen.
Aber egal aus welcher Sichtweise man an die Sache geht,
unter dem Strich steht auf jeden Fall das die Balance
zwischen Text und Musik erst den Reiz dieser Musik ausmachen.
Zugegeben es gibt viele banale Texte in denen es an
sich immer um das gleiche geht, wie z.B.: „Ich
habe dir alles gegeben und/oder gekauft und du betrügst
und/oder verlässt mich jetzt einfach“ oder
ähnliche Wehklagen. Auf dem ersten Blick lassen
diese Texte dann den Schluss zu das es sich hier nicht
gerade um literarische Meisterwerke handelt, aber selbst
diese oft sehr simple Ausdrucksform zusammen mit der
Melodie und der Art der Darbietung ergeben eine dichte
Einheit.
Es gibt viele Blueser die es mit Songs geschafft haben
die nur aus ein paar Zeilen Text bestehen, eine derart
faszinierende Atmosphäre zu schaffen, dass es dem
Zuhörer gelingt sich eine komplett erzählte
Geschichte vor stellen zu können.
Der Blues hat eben eine eigene, oftmals schwer nachzuvollziehende,
Sprache und speziell in den älteren Bluesstücken
hat man so seine Schwierigkeit klare Zusammenhänge
zu erkennen. Was wiederum auch ein Indiz dafür
ist, dass Blues sich nicht zum – mal kurz hinhören
und mitträllern – eignet und auch garantiert
nicht gedacht ist.
Viele Wörter oder auch Satzbildungen beinhalten
eine Doppeldeutigkeit (double talk) die, geht man weit
zurück bis zu den Spirituals, eine Art Geheimsprache
darstellen. Diese Form des double
talk oder auch stellenweise
jive
genannt, diente in erster Linie zur Kommunikation unter
Gleichgesinnten, oder besser Leidensgenossen. Die Schwarzen
konnten sich so untereinander verständigen ohne
das der Weiße jemals den wahren Sinn der Worte
begriff.
Die nachfolgenden Beispiele sind dem Buch „Blues
and trouble“ von Theo Lehmann, entnommen.
Sangen die Schwarzen vom heaven
oder promised Land
so war für die Weißen ganz klar der Himmel
oder das verheißende
Land im Sinne des christlichen
Glaubens gemeint, die alternativ Auslegung aber gibt
ein ganz anderes Bild wieder, denn es waren die Nordstaaten
oder auch Kanada gemeint, in denen es keine Sklaverei
gab.
Auch in den ganz alltäglichen zwischenmenschlichen
Bereichen gibt es Beispiele, so ist der rider
der Geschlechtspartner und der see
see rider oder auch easy
rider der Liebhaber der sich
von einer Frau aushalten lässt.
Dreamed about a reefer
five foot long
The mighty Mezz but not too strong,
You’ll be high but not for long
If you’re a viper.
Mit Vipers
sind Marihuanasüchtige, die den tea
in Form von Zigaretten reefers
genießen, gemeint.
Wenn die Leidenschaft auch nicht alle Süchtigen
ins Grab bringt, so gehen viele von ihnen up
the river, down
in the valley oder to
the wall, was soviel heißt
wie: ins Gefängnis.
Text: BluesSource.de
Quellverweis: Blues and trouble von Theo Lehmann |

Blues and trouble
von Theo Lehmann
In diesem hervorragendem Buch ist die Sprache des Blues,
an Hand von vielen Beispielen, bestens und sehr interessant
erklärt. |