Wer Anfang des letzten Jahrhunderts
in unseren Breiten Gitarren bauen wollte, galt als
Möbelschreiner und wurde von den Geigenbauern
verachtet. Berühmtestes Opfer dieses Zustands
war ein Mann aus Sachsen namens Christian Friedrich
Martin, der um 1830 die Nase voll hatte, seine Koffer
packte und in die Vereinigten Staaten auswanderte.
Etwa zur selben Zeit wie sein berühmter Kollege
Torres in Spanien ging Martin daran, Gitarren nach
neuen Gesichtspunkten zu konstruieren Während
Torres revolutionäre Neuerungen auf dein Gebiet
der Darmsaitengitarre entwickelte, schuf Martin die
Voraussetzungen für Gitarren mit Stahlsaiten.
Martin · Gibson ·
Dopyera
Die Geschichte der E-Gitarre ist untrennbar mit diesen
drei Namen verbunden, obwohl keiner von ihnen je eine
E-Gitarre gebaut hat. Christian Friedrich Martins
wichtigste Leistung war es, den Gitarrenkorpus so
umzubauen dass er mit Metallsaiten spielbar wurde.
Seine Gitarren wurden dadurch lauter, prägnanter
im Ton und universeller einsetzbar. Während Instrumente
mit Darmsaiten damals zerbrechliche Gebilde mit vorstellbar
dünnem Ton waren, wurden Martins Modelle mit
jedem neuen Entwicklungsschritt robuster, größer
und als Folge davon - beliebter und begehrter. Etwa
60 Jahre nach Martins ersten Versuchen ging der Sohn
eines Einwanderers aus England daran, die Gitarre
nach seinen Vorstellungen zu verändern. Orville
Gibson war Laie auf dem Gebiet des Instrumentenbaus
und ging deshalb mit unkonventionellen Ansichten ans
Werk. Sein großes Vorbild waren die Geigen von
Stradivari, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts auch
in den USA schon den Ruf von perfekten Saiteninstrumenten
hatten. Gibson fragte sich damals ganz einfach, "Warum
übertrage ich nicht das Konstruktionsprinzip
einer Violine auf eine Gitarre?" Das Resultat
dieser einfachen aber nachvollziehbaren Überlegung
war eine Gitarre mit gewölbter Decke, gewölbtem
Boden (beides aus massivem Holz geschnitzt) und einem
Hals, der deutlich nach hinten gewinkelt war. Gibsons
Idee funktionierte, und seifte Instrumente fanden
soviel Anhänger, dass in seiner Heimatstadt Kalamazoo
1902 eine Firma gegründet wurde, um die rasant
steigende Nachfrage befriedigen zu können: The
Gibson Mandolin-Guitar Company. Orville Gibson zog
sich nach wenigen Jahren aus der Firma zurück,
aber seine Konzepte und Ideen wurden weitergeführt.
Eine ganze Modellreihe entstand, und im Laufe von
gut 20 Jahren wurden die Gitarren von Gibson immer
größer, die Mensur immer länger und
ihr Klang immer voluminöser und brillanter. Gibsons
Instrumente mit gewölbter Decke und ebensolchem
Boden (sog. arch-tops) waren so überzeugend,
dass sie in den 20er Jahren in der Lage waren, die
Banjos langsam aber sicher aus den Orchestern zu verdrängen.
Die Popularität der Gitarre und ihre Einsatzmöglichkeiten
wuchsen stetig, aber noch wurde sie fast ausschließlich
als Rhythmusinstrument eingesetzt, denn für solistische
Aktivitäten, vor allen im Ensemble, war sie eigentlich
immer noch zu leise. Mitte der 20er Jahre dauerte
es zwar nicht mehr lange, bis der erste funktionierende
Tonabnehmer erfunden war, aber vorher versuchten einige
tschechische Brüder einen eigenen Weg. Die Zeit
nach dem ersten Weltkrieg war die erste große
Ära der Schallplatte. Grammophone gehörten
zur Einrichtung eines gutsortierten Haushalts, wie
heute der Videorekorder. Eines Tages müssen die
Dopyera-Brüder, die in Los Angeles Saiteninstrumente
bauten, ihr heimisches Grammophon zerlegt haben. Jedenfalls
begannen sie ein System der Klangverstärkung
auf rein akustischem Weg zu entwickeln, ähnlich
dem, das damals die Schellack-Platten zum Klingen
brachte. Der Grundgedanke war simpel: Wenn man die
Saitenschwingungen auf eine Membran überträgt,
braucht man nur noch eine große Fläche,
um die Schwingungen abzustrahlen. Nach diesem Prinzip
funktionierten bis dahin zwar alle Gitarren - die
Decke hatte die Funktion der erwähnten Membran
aber die Schwingungsenergie der Saiten musste noch
effektiver nutzbar sein, um einen lauteren Ton zu
erzielen. Die Dopyeras stanzten aus dünnem Blech
einen flachen Trichter, setzten ihn mit der Öffnung
nach unten in einen Gitarrenkorpus und platzierten
den Steg auf der Spitze des Trichters. Das Resultat
war ein Instrument von bis dahin ungekannter Lautstärke,
das sofort von den Musikern angenommen wurde. Gemeinsam
mit ein paar Geldgebern und Partnern gründeten
die Dopyeras eine Firma, der sie, als gute junge Amerikaner,
den Namen NATIONAL gaben. Nach ein paar internen Differenzen
gründeten einige Dopyera-Brüder später
eine zweite Firma, und diesmal erinnerten sie sich
offenbar an ihre Herkunft, denn der Firmenname Do13R0
lässt sich sowohl als Wortschöpfung aus
Dopyera Brothers verstehen, wie auch vom tschechischen
Wort dobre (= gut) ableiten. Die Gitarren, egal ob
von NATIONAL oder DOBRO, kennen wir heute unter der
Bezeichnung Resonatorinstrument, und auch über
sechzig Jahre nach ihrer Erfindung sind sie immer
noch im Gebrauch, trotz aller Entwicklungen auf dem
Sektorder E-Gitarre.
George D. Beauchamp
Versuche, Musikinstrumente elektrisch zu verstärken,
hatte es seit den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts
immer wieder gegeben offenbar ohne großen Erfolg,
sonst wüsten wir mehr davon. Solange jedenfalls
kein vernünftiges System zur Verstärkung
existierte, gab es immer wieder genervte Musiker,
die sich nicht gegen die geballte Kraft der Bläser
im Orchester durchsetzen konnten. Einer dieser Frustrierten
war ein Texaner mit Namen George Beauchamp. Er spielte
Hawaiigitarre und Geige und versuchte das Problem
zu lösen, indem er ein Grammophon-Horn an seinen
Instrumenten befestigte. Einigermaßen zufrieden
war er mit diesen Experimenten erst, nachdem er die
Dopyeras getroffen hatte und finit ihnen zusammen
das Resonatorsystem entwickelt hatte. Er war aber
eben nur einigermaßen zufrieden, denn kaum waren
die ersten NATIONAL, auf dem Markt, begann er wieder
mit Spulen und Magneten zu basteln, wie er es 1925
schon einmal getan hatte. Damals hatte er einen der
ersten Tonabnehmer eines Plattenspielers (wohlgemerkt
nicht den eines Grammophons!) auseinandergenommen.
Er bestand aus einem Permanent-Magneten und einer
Spule. George befestigte ihn an einer Gitarre aus
massivem Material, die er sich zu Testzwecken gebaut
hatte. An Stelle der Tonabnehmernadel führte
er die Saiten ins Magnetfeld des Tonabnehmers. Die
Schwingungen der Saiten "störten" das
Magnetfeld und induzierten eine Wechselspannung in
der Spule. Diese ließ sich beliebig verstärken
und per Lautsprecher wieder hörbar machen. Damit
war das System erfunden mit dem auch heute (fast)
alle E- Gitarren funktionieren. Aber Beauchamp hatte
nicht nur den elektromagnetischen Tonabnehmer erfunden,
er hatte ihn auch auf einer Gitarre mit massivem Korpus
montiert und somit den Vorläufer der "Solidbody"
kreiert. Natürlich wollte er seine Erfindung
sofort vermarkten, allerdings stieß er bei seinen
Partner der Firma NATIONAL auf wenig Resonanz. Kein
Wunder, die wollten ihre Resonatorinstrumente verkaufen
und sich nicht selbst den Markt mit einer neuen Erfindung
ruinieren. Aber ein neuer Geschäftspartner war
schnell gefunden. In der Nachbarschaft der Dopyera-Brüder
arbeitete ein emigrierter Schweizer namens Adolph
Rickenbacker. Er erledigte in seiner Firma diverse
Metallarbeiten für die Dopycras und war schnell
bereit, mit Beauchamp zu kooperieren. Wir erinnern
uns, George spielte 1 Hawaii-Gitarre, deshalb war
es nicht überraschend, dass die erste Gitarre,
die mit dem neuen Tonabnehmer ausgerüstet war,
ein Instrument war, das flach auf den Schoß
gelegt wurde. Während der Prototyp noch aus Holz
gefertigt war, ging das Instrument mit einem Korpus
aus Aluminium in die Serienfertigung. Auch kein Wunder,
denn Rickenbacker besag ja eine Metallfabrik (später
änderte er übrigens seinen Namen. Er nannte
sich Rickenbacker, weil es für die Amerikaner
leichter auszusprechen war). So ungewöhnlich
wie Konstruktion und Material der ersten serienmäßigen
elektrischen Hawaii-Gitarre war damals auch ihre Form.
Diese erste Rickenbacker hatte einen kleinen kreisrunden
Korpus und einen vergleichsweise langen, schlanken
Hals. Wer dieses Modell einmal gesellen hat, versteht,
warum es im Musikerkreisen als "Bratpfanne"
bekannt wurde.
Charlie Christian
1932 ließ sich Beauchamp seine Erfindung patentieren,
und schon kurze Zeit später zogen andere Firmen
mit ähnlichen Entwicklungen nach. Allen voran
Gibson. Dort ging man 1935 allerdings sofort einen
Schritt weiter und baute nicht nur I Hawaii-Gitarren
finit Tonabnehmern, sondern rüstete auch eine
"konventionelle" Gitarre damit aus. Dieses
Modell ES-150 besag allerdings noch einen hohlen Korpus
und war auch ohne Tonabnehmer voll funktionsfähig.
Bis sich Gibson entschließen konnte, Gitarren
aus massivere Material zu bauen, mussten noch fast
20 Jahre vergehen und ein bisschen was passieren.
Neue Erfindungen haben immer dann eine gute Chance
erfolgreich zu werden, wenn ein Prominenter sie benutzt.
Mit der ES-150 ist untrennbar der Name Charlie Christian
verknüpft, und mit ihm wird in der Regel im gleichen
Atemzug Benny Goodman erwähnt. Charlie Christian
war ein junger schwarzer Gitarrist, der als einer
der ersten die neuen Möglichkeiten der E- Gitarre
erkannte. Dank der Verstärkung war er nun in
der Lage, die Gitarre auch als Solist zu spielen und
sich selbst in einer gut besetzten Big Band zu behaupten.
Benny Goodman holte ihn in sein Orchester und gab
ihm ausreichend Gelegenheit, seinen Stil zu entwickeln.
Christian konnte dort lange Soli spielen, wie es vorher
im Jazz nur Trompeter, Saxofonisten oder Klarinettisten
konnten. Der erste große Musiker der E- Gitarre
starb 1942 im Alter von erst 23 Jahren.
Leo Fender
Nebeln Christian war es ein zweiter schwarzer Gitarrist,
der maßgeblich dazu beitrug, die elektrische
Gitarre populär zu machen: T-Bone Walker. Der
Texaner gab dein Blues neue Impulse, denn mit seiner
E-Gitarre entwickelte er ganz neue Ausdrucksformen.
Das neue Instrument etablierte sich jedenfalls sehr
rasch, und trotz der Produktionsprobleme die amerikanische
Instrumentenbauer im Krieg hatten, wurde die Modellpalette
immer reichhaltiger. Neue Tonabnehmer wurden entwickelt,
es gab Modelle mit zwei oder sogar drei Exemplaren,
und ab Ende der 40er Jahre baute Gibson sogar Modelle
mit Cutaway, einer Spielhilfe, die den Solisten noch
einmal neue Möglichkeiten eröffnete. je
mehr E-Gitarren und Verstärker benutzt wurden,
desto größer wurde auch der Bedarf an Werkstätten,
die fachgerechte Reparaturen machen konnten. In der
Nähe von Los Angeles hatte sich Leo Fender niedergelassen
und reparierte Radios, Plattenspieler lind Verstärker.
Immer wieder kamen Musiker zu ihm, und nicht nur den
Verstärker aufmöbeln zu lassen, sondern
auch Schäden an ihren Gitarren beheben zu lassen.
Auf diese Weise bekam Fender zahllose defekte Instrumente
in die Hand und ärgerte sich jedes Mal, dass
die Reparaturen so schwierig waren. Schließlich
hatte er Instrumentenbau nie gelernt, und an so einer
aufwendig gebauten Gitarre mit großem Korpus
konnte allerlei kaputt gehen. Nach dem Krieg, als
es auch in der Instrumentenbranche langsam wieder
besser lief, gründete er mit seinem Kompagnon
George Fullerton eine Firma, um Verstärker und
E-Gitarren bauen zu können. Denn damals herrschenden
Trend in der Musik entsprechend baute Fender Hawaii-
oder, wie ihn sie mittlerweile nannte, Steel-Gitarren
und ein Modell einer "normalen" Gitarre,
in dem Fenders gesammelte Überlegungen vereinigt
wurden. Die Gitarre hatte einen massiven Korpus (außer
bei den erwähnten Hawaiigitarre hatte bis dahin
keine Firma so etwas in Serie produziert), ein Cutaway,
zwei Tonabnehmer und einen relativ simpel konstruierten
Hals, der mit vier Schrauben am Hals verankert war.
Fenders grundlegende Idee hinter diesem Konzept zwar,
ein Instrument zu schaffen, das nicht nur einfach
herzustellen war, ohne die Hilfe von lange ausgebildeten
Instrumentenbauern sondern auch einfach zu reparieren.
Diese Gitarre ließ sich mit einem Schraubenzieher
und einem Lötkolben in alle Einzelteile zerlegen
und auch wieder zusammenbauen. Die Gelehrten streiten
sich heute, wann diese erste Fender auf den Markt
kam und wie sie hieß. Die gegenwärtig akzeptierte
Meinung lautet: Es war die Esquire, und es war um
1950. Heute kennen wir dieses in jeder Beziehung revolutionäre
Instrument unter dem Namen Telecaster
Les Paul
Leo Fenders Einfluss: auf die Geschichte der E-Gitarre
sind mit den wenigen Worten zu seinem Erstlingswerk
längst nicht umfassend beschrieben. Kurz nach
der Esquire (im Laute der folgenden Jahre auch als
Broadcaster, "Nocaster" und eben Telecaster
bekannt) entwickelte er den ersten Precision-Bass
und noch ein paar Jahre später kam die Stratocaster
auf den Markt; ebenfalls Instrumente, die wir uns
heute kaum wegdenken können. Fenders größtes
Verdienst im Zusammenhang mit unserer Geschichte ist
aber wohl sein Konzept, Gitarren mit massivem Korpus
am Fließband zu bauen. Dabei war er nicht mal
der erste, der auf die Idee gekommen ist, er war nur
der erste, der sie realisiert hat. Ein Gitarrist,
der in seiner Nähe lebte, hatte sich seit den
20er Jahren, ähnlich wie auch Beauchamp, mit
dem Problem der Verstärkung seiner Gitarre auseinandergesetzt
Er hatte mit Grammophonnadeln und Mikrofonen experimentiert
und kam, als funktionierende elektromagnetische Tonabnehmer
zu haben waren, sehr schnell zu dein Schlug, dass
man den hohlen Korpus einer Gitarre weitgehend vernachlässigen
kann, ja das dieser sogar stört, da er bei bestimmten
Lautstärken unerwünschte Rückkopplungen
erzeugt. Dieser Gitarrist, niemand anderes als der
legendäre Les Paul, machte erst ein paar Versuche
bei sich zu Hause und ging dann zu Gibson, um eine
Serienfertigung anzuregen. Obwohl er gegen Ende der
40er Jahre Amerikas populärster und erfolgreichster
Gitarrist war, flog er bei Gibson beinah raus, als
er mit seinem Plan einer solid Body kam. "Wir
bauen keinen Besenstiel mit Saiten! ", so oder
so ähnlich soll sich der Chef der Firma damals
aufgeregt haben. Gibson hielt sich - nicht ganz zu
Unrecht für die renommierteste Instrumentenfirma
des Landes und war stolz auf Tradition und handwerkliche
Qualität. Eine Gitarre, die aus einem Holzbrett
ausgesägt wurde, kann nicht in Frage. Allerdings
gab es da einen Countrymusiker namens Arthur Smith,
der mit seinem "Guitar Boogie" mehr als
eine Millionen Platten verkaufte. Diese Zahl war damals
schon bemerkenswert genug, viel erstaunlicher noch
war die Tatsache, dass er- den Titel auf einer der
neuen Fender-Gitarren gespielt hat und damit die Nachfrage
nach dem Modell angekurbelt hatte. Das alles blieb
Gibson nicht verborgen und so entschloss sich die
Geschäftsleitung, ein Konkurrenzmodell zu bauen,
um den Markt nicht schon von vorn herein zu verlieren.
Man erinnerte sich an Les Paul und seinen Vorschlag,
lud ihn noch mal ein und wurde handelseinig. Les Paul
steuerte ein paar Ideen bei, kassierte von jedem verkauften
Exemplar Tantiemen und stellte seinen werbewirksamen
Namen zur Verfügung 1952 erblickte Gibsons erste
Solidbody das Licht der Welt. Wir haben ja schon gehört,
dass die Firma viel auf ihr Renommee hielt. Das neue
Les-Paul-Modell sollte dafür Beispiel geben.
Der Korpus war aus zwei Schichten Holz aufgebaut,
unten eine Lage Mahagoni, darauf eine Decke aus Ahorn.
Die Decke war darüber hinaus gewölbt und
mit einer Leiste eingefasst. Zur Krönung des
ganzen wurde die Gitarre in goldfarbener Lackierung
geliefert. Diese Details wurden gewühlt, um die
Gitarre möglichst konkurrenzlos zu machen, denn
Gibson ging davon aus, dass Fender derartige Qualität
nicht liefern konnte. Damit hatten sie sicherlich
recht, allerdings wollte Fender so etwas auch gar
nicht anbieten. Trotz, oder vielleicht gerade wegen
dieser Konkurrenz wurden Fenders erste Entwürfe
einer Solidbody, die und die Stratocaster sowie Gibsons
Les Paul die erfolgreichsten L-Gitarrenmodelle, die
je gebaut wurden.
Der Rest ist schnell erzählt.
Nachdem die Les Paul 1952 und die Stratocaster 1954
auf dem Markt waren, tat sich nichts revolutionäres
mehr auf dem Sektor der elektrischen Gitarre. Alles,
was in den folgenden Jahrzehnten als Neuerung annonciert
wurde, war im Grunde nur eine mehr oder weniger gelungene
Variation bereits bekannter Details. Wirkliche Neukonstruktionen
gab es nur noch zweimal. 1958 stellt Gibson seine
Semi-Acoustic-Reihe vor. Es handelt sich dabei um
Modelle, die echte Bindeglieder zwischen der Gitarre
mit akustisch funktionsfähigem Korpus und solchen
mit massivem Korpus darstellen. Gibson hat dazu seine
Thin-Line-Reihe aus dem Jahr 1955 modifiziert. Der
bis dahin flache aber hohle Korpus bekam ein massives
Mittelsegment. Die Rückkopplungsempfindlichkeit
wurde dezimiert, gleichzeitig verlängerte sich
das Sustain. Die Modelle ES-335, ES-345 und ES-.')55
wurden ebenfalls zu Klassikern.
Noch ein weiteres Mal konnte Gibson mit einer wirklichen
Erfindung auf den Markt kommen, als 1963 die Firebird-Reihe
vorgestellt wurde. Diese Gitarren verfügten über
ein einteiliges Hals-Segment. Der Hals war also weder
eingeleimt, noch eingeschraubt, Hals und Korpusmittelstück
waren eine Einheit. Firebirds zählen zwar heute
auch zu den Klassikern unter den E-Gitarren, damals,
in der ersten Hälfte der 60er Jahre, waren sie
jedenfalls ein kommerzieller Misserfolg für Gibson.
Nun mag man einwenden, das kann ja wohl noch nicht
alles gewesen sein. War es aber, denn alle heute existierenden
E-Gitarren lassen sich auf eine handvoll Modelle zurückführen:
Gibson ES-150, Fender Telecaster, Fender Stratocaster,
Gibson Les Paul, Gibson ES-335 (etc.) und Gibson Firebird
waren (und sind heute noch) die Maßstäbe,
an denen sich alle anderen Konstrukteure orientiert
haben. Form, Farbe und Materialauswahl sowie die Bestückung
mit elektrischen Bauteilen lassen sich beinah beliebig
variieren, etwas wirklich Neues entstellt dabei allerdings
nicht. Bestes Indiz für diese These scheint die
Tatsache, dass diese Klassiker auch heute noch keine
Konkurrenz durch Neukonstruktionen fürchten müssen.
Im Gegenteil, es gibt eine Menge Musiker, die ein
altes Stück einem neuen vorziehen.
Fazit: Da es an der
E- Gitarre offenbar nichts Grundlegendes mehr zu verbessern
gibt, muss es sich wohl um ein perfektes Instrument
handeln, dessen Entwicklungsgeschichte spätestens
1963 geendet hat.