Wenn wir Musik machen wollten, haben
wir einfach einen Draht mit zwei Nägeln an der
Wand befestigt, erzählt B.B. King aus der Kindheit.
Zwei Steine wurden darunter geklemmt, bis er richtig
spannte und einen Ton wie eine Gitarrensaite von sich
gab. Diese Art musikalischer Selbstversorgung war
im Süden der USA in der untersten Schicht schwarzer
Landarbeiter noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein
verbreitet. Wer sich kein richtiges Musikinstrument
leisten konnte, behalf sich mit dem Einsaitigen an
der Wand, trommelte auf einem Eimer, scharrte den
Rhythmus auf einem Waschbrett oder funktionierte Besenstiel
und Waschzuber mit einem Draht zum Zupfbaß um.
Ich besaß einmal ein ziemlich gutes Banjo, das
mir mein Vater aus einer runden Käseschachtel
und dem Fell eines Waldmurmeltiers gebaut hatte, erinnert
sich der schwarze Hillbilly-Musiker DeFord Bailey.
Er fing das Murmeltier und trocknete sein Fell. Dann
zog er es über die Käseschachtel, hielt
es übers Feuer bis es straff spannte. Es hatte
einen recht guten Klang. Not macht erfinderisch, und
was heute noch eine Zigarrenschachtel oder ein verbeulter
Ölkanister war, konnte morgen schon eine Mandoline,
Gitarre oder Fiedel sein. Ein Stück Metall ließ
sich zu einer Maultrommel biegen, ein Zweig mit Draht
zu einem Mundbogen spannen, und Zuckerrohr war zum
Bau der Panflöte geeignet. Zwei Knochen verwandelten
sich zu Castagnetten, die den Rhythmus vorgaben, wenn
jemand ein Stück Papier über einen Kamm
legte und darauf blies. Aus Instrumenten der Marke
Eigenbau bestand das Orchester der musikalischen Subsistenz
und durch diese Schule sind die meisten Bluesmusiker
aus dem amerikanischen Süden gegangen. Wenn aber
irgendwann einmal ein paar Cents übrig waren,
konnte man im nächsten Gemischtwarenladen eine
Mundharmonika kaufen.
Schon sehr früh war das neue
Blasinstrument aus Wien in den USA aufgetaucht. Kaum
10 Jahre nach seiner Erfindung gab es in New York
schon Spielanleitungen dafür zu kaufen. Obwohl
die Mundharmonika überall in Amerika French Harp
genannt wurde, war sie ursprünglich von Einwanderern
aus Österreich, Schwaben und Sachsen ins Land
gebracht worden. Die Neuheit erregte Aufsehen und
war schon bald in den Läden zu haben. Von den
Deutschen sprang der Funke der Begeisterung auf die
Afroamerikaner über. Wo viele Krauts wohnten
wie in Texas, Nord- und Süd-Carolina und Illinois,
gab es auch viele schwarze Bluesharp-Spieler. Die
sind verrückt darauf, war Matthias Hohner aus
der Neuen Welt gemeldet worden. weiter
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