Ausdrücke wie
"muddy water", "long lonesome road"
oder Floskeln wie "I'm broke and hungry"
tauchen überall in den verschiedensten Blues
auf. Sie sind Grundelemente, geprägte Bausteine,
die immer wieder zum Aufbau eines Liedes verwendet
werden. Der Bluessänger fügt sie - einzeln
oder in Form ganzer Strophen - in seine Lieder ein,
ohne sich dabei als Plagiator zu fühlen.
Im Prinzip ist der Aufbau eines Blues simpel und folgt
fast immer einem bestimmten Schema, aber näher
betrachtet ist es dann doch nicht so einfach wie es
scheint.
Im Allgemeinen hat der Blues eine Länge von 12
Takten, die in drei Phrasen zu vier Takten gegliedert
sind. Es handelt sich hierbei um die A-A-B-Form, bei
der zunächst eine Aussage gemacht wird.
(Zeile 1), die dann verstärkend wiederholt wird
(Zeile 2), wobei der Sänger Zeit gewinnt, die
abschließende Zeile zu formulieren, die den
Gedankengang zu Ende führt (Zeile 3).
Die drei Akkordbausteine sind Tonika, Dominante und
Subdominante, und zwar steht bei der üblichen
Phrasenfolge nach dem A-A-B-Schema die erste Phrase
in der Tonika, die zweite in der Subdominante, die
dritte in der Dominante. Die ständige Wiederholung
dieser Harmoniefolge hat man als die "Bluesformel"
bezeichnet. Neben der am meisten gebrauchten 12-taktigen
Bluesformel gibt es auch Bluesformeln von 8, 10, 18,
20 und 24 Takten, die alle dem gleichen Aufbau folgen.
Diese Phraseneinteilung des Bluesgesangs erklärt
sich nun wiederum aus dem "Ruf-und-Antwort-Prinzip".
Liegt bei einem 8-taktigen Blues die Entsprechung
zwischen der Phrasenfolge A-B und Ruf und Antwort
auf der Hand, so besteht der Schritt zum klassischen
12-Takte-Schema (Phrasenfolge A-A-B) darin, dass der
ersten Anrufung zur Verstärkung noch eine zweite
hinzugefügt wird. In älteren Bluesaufnahmen
kann man beobachten, dass die zweite Phrase häufig
wie die erste in der Tonika steht, während die
Subdominante für die zweite Phrase erst in einem
späteren Stadium erscheint.
Text: BluesSource.de
Quellverweis: Blues and trouble
von Theo Lehmann und
Blues. Geschichte und Geschichten von Carl-Ludwig
Reichert
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blue
notes:
Ein besonderes Merkmal der Melodie,
die über dem beschriebenen Harmonieschema improvisiert
wird, sind die sogenannten "blue notes"
(die verminderte Terz und verminderte Septime). Die dritte
und die siebente Stufe der europäischen Dur- und
Molltonleitern, die in der pentatonischen Musik Afrikas
fehlen, wurden von den Afroamerikanern einmal als große,
einmal als kleine Terz, manchmal als große, manchmal
als kleine Septime gesungen. Der hieraus resultierende
schwebende, nicht eindeutig aus Dur und Moll bezogene
Charakter der dritten und siebenten Stufe der Bluestonleiter
führte wegen seines als "traurig" empfundenen
Klangs zu der Bezeichnung "blue notes". |